Montag, 17. Juli 2017

[Buch-Rezension] Was wir dachten, was wir taten

  Was wir dachten, was wir taten
Lea-Lina Oppermann
Paperback: 180 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-407-02567-8
Preis: 12,95€

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"Kann sein, dass es dich verändert. Kann sein, es lässt dich kalt. Kann sein, dass du schon davon gehört hast, im Fernsehen oder in den Schlagzeilen. So viele Reporter, die darüber berichtet haben, Fotos geknipst und mit dem Rektor gesprochen...
Wenn ja, vergiss es, nichts davon ist wahr.
Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist.
Wir waren dabei."

Cover/Aufmachung
  Zugegeben wusste ich zunächst nicht, was ich zu erwarten habe, als ich das Cover bei unserem Stammtisch gesehen habe. Es ist schlicht, ebenso wie das ganze Buch optisch recht schlicht gehalten ist. Das jedoch - so viel sei schon jetzt verraten - ist bei diesem Buch völlig nebensächlich.

Inhalt/Geschichte

  "Es ist ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem aufgetreten. Bitte bewahren Sie Ruhe."



Ein Satz, den niemand hören möchte. Schon gar nicht in der eigenen Schulklasse während einer Klausur. Und doch ist es genau diese Durchsage, die das Leben der Schüler auf den Kopf stellen und ihre Welt für immer verändern wird. Was geht dort draußen vor sich? Ein Amoklauf? Die Anweisung ist klar: Ruhe bewahren und weitere Informationen abwarten. Doch was tut man, wenn es plötzlich an der verschlossenen Tür klopft und jemand um Hilfe bittet?

  Uff. Das ist das erste Wort, das mir einfällt. Zugegeben war ich zunächst skeptisch, denn ich hatte keine Ahnung, worum es in dem Buch geht. Die Autorin hatte die erste Seite nicht zu Ende vorgelesen und wir hingen an ihren Lippen - unsere Gruppe war mucksmäuschenstill. 
  Kaum hatte die Autorin ihren Vortrag beendet, wollte ich das Buch in die Hand nehmen und lesen. Das musste aber noch etwas warten, nämlich bis zum nächsten Morgen. Innerhalb einiger sehr sehr kurzweiliger Stunden (es waren drei) hatte ich das Buch beendet - und einen dicken Kloß im Hals. 
  
Die Autorin schafft es problemlos, den Leser über die 180 Seiten des Buches ständig unter der selben emotionalen Anspannung zu halten, wie auch ihre Protagonisten.  Es ist nahezu unmöglich, das Buch zur Seite zu legen und sich selbst eine Verschnaufpause zu gönnen von den sich überschlagenden Ereignissen. Nahezu unmöglich, die Augen von den Buchstaben zu lösen und die Geschichte warten zu lassen, die da so dringend erzählt werden will uns muss. 
   Es sei erwähnt, dass es mir selten passiert, dass mich ein verhältnismäßig kurzes Buch so in seinen Bann zieht -  hier hat die gute Lea-Lina Oppermann das aber hervorragend geschafft. Die Spannung überträgt sich direkt auf den Leser, als stünde man selbst mit in diesem Klassenzimmer.

Die Hoffnung, die Verzweiflung, der Schock - alle Emotionen werden 1:1 auf den Leser übertragen.


Schreibstil/Übersetzung
Nicht nur, dass die Autorin uns eine großartige Geschichte liefert, wir bekommen das Ganze auch noch schön serviert. Sie schafft es, gleichzeitig greifbare Anspannung zu transportieren und mit ihrer Wortwahl ein Schmunzeln ins Gesicht des Lesers zu zeichnen. Den Leser in vier Wänden verschwinden zu lassen, in denen sich die ganze Geschichte abspielt, ist eine Kunst für sich. Ihn oder sie dann auch noch so bei der Stange zu halten, dass die Zeit zusammen mit den Zeilen fliegt - das schaffen nicht sehr viele. Eine gute Geschichte braucht immer auch eine gute Erzählweise. Und hier passt einfach alles zusammen. 


   Dieses Buch geht unter die Haut und will dort bleiben, nimmt den Leser gefangen und hat nicht vor, ihn so schnell wieder gehen zu lassen. Nicht, dass dieser das wollte.