Donnerstag, 23. November 2017

[Buch-Rezension] Die Kinder

   Die Kinder
Wulf Dorn
Klappenbroschur: 320 Seiten
Verlag: Heyne /Randomhouse
Sprache: Deutsch
Preis: 16,99€

Das Buch beim Verlag

Auf einer abgelegenen Bergstraßewird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr erkennt er, dass die Gefahr, vor der Laura warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.

Cover/Aufmachung
  Ein Cover, das gänzlich in "meinen" Farben gehalten ist - rot, schwarz und weiß. Kein Wunder, dass es mir gefällt oder? Die recht simple Typo, die den Blick des Lesers aber recht eindeutig auf sich zieht und von den Silhouetten der Kinder am unteren Rand untermauert wird - ein tolles Cover, durch und durch.
 

Inhalt/Geschichte
Ein merkwürdiger Fall, zu dem Robert früh am Morgen hinzu gezogen wird. In dem videoüberwachten Raum sitzt Laura Schrader, eine Frau, die kürzlich erst aus einem Autowrack geborgen wurde. Einem Autowrack, in dessen Kofferraum man eine Leiche fand. Und mit dem sie aus der Richtung eines scheinbar völlig verlassenen Dorfes kam. Nun ist es an ihm, herauszufinden, was die schwer traumatisierte Frau erlebt hat. Die Geschichte, die sie zögernd erzählt, klingt kaum zu glauben. Wie viel von Lauras Erzählung entspringt einem überreizten Geist und findet sich vielleicht ein Funken Wahrheit darin...?

  Mir fehlen die Worte. Das Buch hat es geschafft, mich schon nach 41 Seiten an den Punkt zu bringen, an dem ich mir dachte "Eigentlich will ich an dieser Stelle nicht weiter lesen" - und ich bin Wulf sehr dankbar, dass er uns weitere Details an dieser Stelle erspart hat. Der Autor führt und in diesem Buch einige Male an Orte, die ich im realen Leben bewusst zu sehen vermeide. Ich weiß, dass so etwas geschieht. Natürlich weiß ich es. Aber ja, ich gehöre dazu, es nicht sehen zu wollen. Ich möchte nicht wahrhaben, dass so etwas geschieht. Obwohl ich es weiß. Und damit bin ich Teil des Problems. 


"Die Kinder" ist kein gemütliches Buch. Es ist kein schönes Buch. Aber es ist ein gutes Buch, eines, das uns die Realität zurück in den vermeintlich geschützten Raum unseres Eskapismus holt. Das die Grenzen unserer Comfort Zone sieht, wahrnimmt und zerschmettert, um uns zu zeigen, wie die Welt ist. Und so gern ich hätte, dass diese Dinge rein der Fantasie des Autors entspringen - natürlich weiß ich, dass das nicht so ist. Ich will es nur nicht wahr haben. 

Das Buch zeigt uns eine düstere Zukunftsvision - inwiefern sie so eintreten wird, sei an dieser Stelle mal dahin gestellt. Der Gedanke dahinter aber, beinhaltet meiner Ansicht nach einen durchaus wahren Kern. Ist es eine bessere Zukunft, die "uns" erwartet? 

Ich gestehe, dass dieses Buch von Wulf nicht zu meinen Lieblingen gehören wird. Dazu hat mir der letzte Funke gefehlt - oder es war mir eben doch zu nah an der Realität. Jedoch heißt das nicht, dass ich dieses Buch für mich als schlecht einorde. Ich vermute, dass das Wort "verstörend" deutlich passender ist. Ja, verstörend ist die passende Überschrift für dieses Buch. 


Ein unheimlich schweres Buch und dennoch Lektüre, die ich jedem Freund von düsterer Literatur ans Herz legen möchte.

(Eigentlich würde ich gern 4,8 vergeben, weil eben der letzte Funke für mich gefehlt hat - aber ich vergebe ja nur "ganze" Punkte)


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